Bergung einer historischen Kältemaschine

17. Oktober 2007

In der Wiesbadener Innenstadt wurde auf Initiative des Vereins Historische Kälte- und Klimatechnik e.V. (HKK), Maintal, kürzlich eine der ersten hermetischen Kältemaschinen von Escher Wyss Lindau, Typ Autofrigor, Baujahr 1920 bis 1925 geborgen. HKK-Mitglied Herbert Kaulbach berichtet über die abenteuerliche Bergung.

Der Technische Leiter einer Großmetzgerei, den ich noch aus meiner beruflichen Zeit kenne rief mich eines Tages an und teilte mir mit, dass er bei Umbauarbeiten wahrscheinlich eine historische Kältemaschine entdeckt hätte, ich möchte mir diese einmal ansehen. Die Besichtigung ergab, dass es sich um eine Kältemaschine von Escher Wyss Lindau, Type Autofrigor , Baujahr 1920-1925 handelt. Eine der ersten hermetischen Kältemaschinen. Die Kältemaschine war sogar noch mit Kältemittel befüllt.

Aus der der baulichen Situation konnte man erkennen ,dass bei einem früheren Umbau im Zuge einer Neuanschaffung, der alte Kühlraum abgerissen, das Maschinenabteil jedoch belassen und zugemauert wurde. Eine Schlamperei, aber ein Glücksfall für die Nachwelt.

Da die Zeit wegen der Umbauarbeiten drängte, musste der Ausbau am nächsten Tag begonnen werden. Daraufhin habe ich am nächsten Tag mit meinem Sohn, selbständiger Kälteanlagenbauer, und einigen Bauhandwerkern mit der Bergung begonnen. Der Einbauort befand sich in der Innenstadt von Wiesbaden, im Hinterhof eines sechsstöckigen Hauses. Die Maschine mit einem Gewicht von etwa 1,5 Tonnen und einer Höhe 2,50 m war in einer Nische eingebaut.

Ein ebenerdiger Transport aus dem Hinterhof war nicht möglich. Deshalb suchten wir nach einer anderen Möglichkeit. Zufälligerweise wurde gegenüber ein Kaufhaus umgebaut und ein entsprechender Kran war vorhanden. Der Kranführer konnte für den Transport gewonnen werden. Die Maschine wurde für den Transport entsprechend vorbereitet und an den Kran gehängt. Aus Sicherheit musste die Fußgängerzone für diesen Bereich abgesperrt werden. Danach wurde dann die Maschine über das sechsstöckige Haus gehoben.

Nach der Verladung der Maschine auf einem LKW wurde diese zur Firma TEKO Altenstadt gebracht. Dort wird sie zurzeit restauriert und soll dann als Industriedenkmal aufgestellt werden. Dort kann sie später im Zuge der „Straße der Kälte“ besichtigt werden. Ein Bericht über die Technik und Funktion der Kältemaschine kann in Kürze auf der Homepage des HKK (www.vhkk.org) nachgelesen werden. (Herbert Kaulbach)