Neuer Zentralverband Kälte Klima Wärmepumpen (ZVKKW) in Gründung

19. März 2009

Nachdem die diesjährige Mitgliederversammlung des Bundesinnungsverbandes des Deutschen Kälteanlagenbauerhandwerks (BIV) in Bayreuth bereits am 12. März 2009 die uneingeschränkte (einstimmige) Zustimmung gegeben hatte (siehe Meldung im KI-Portal vom 19.3.2009), die Gründung eines neuen branchenübergreifenden Zentralverbands voranzutreiben, wird es jetzt ernst! Die Gründungsinitiatoren präsentierten der Fachpresse am heutigen Donnerstag, den 19. März 2009, an der Europäischen Studienakademie Kälte-Klima-Lüftung (ESaK) in Maintal die Hintergründe und künftigen Strukturen des neuen ZVKKW.

Demnach sollen alle Bereiche der Branche in einem neuen Zentralverband ZVKKW, dessen Name bereits beim Bundespatentamt geschützt wurde, integriert werden und durch insgesamt sechs Vorstandsbereiche vertreten sein: Handwerk (BIV und unabhängige Handwerksbetriebe), Industrie und Handel (jeweils aufgeteilt in Kälte und Klima), der Bereich der Wärmepumpen, die Betreiber und die Ausbildungseinrichtungen. In einem Kuratorium mit beratender Funktion sollen wichtige Fach- und Hochschulen sowie Universitäten und Organisationen wie DKV, IZW, EPEE vertreten sein. Gründungsinitiatoren des ZVKKW sind Werner Rolles (Daikin) für die Klimabranche, Manfred Seikel (BFS/ESaK) für den Ausbildungsbereich, Thomas Milbrodt (Reiss) für den Handel, Thomas Ernst (Bitzer) für die Kältebranche und Bundesinnungsmeister Frank Heuberger (BIV) für das Handwerk.

Die Idee gärt schon länger in den Köpfen

Die Idee eines Branche übergreifenden Zentralverbands gärt in Köpfen der Initiatoren bereits seit einiger Zeit und nahm dann zum Jahresende 2008 konkrete Formen an. Die Präsenz der Kälte-, Klima- und Wärmepumpenindustrie sowie des entsprechenden Handwerks bei politischen Entscheidungsfindungen und in den Medien bedarf einer grundlegenden Neuorientierung, so Werner Rolles. Die Forderung des verstärkten Einsatzes erneuerbarer Energien sowie die Reduktion der CO2-Emission, für die die Kälte-Klima-Wärmepumpen-Branche ein enormes Know-how und eine bewährte Technologie liefert, finde in der politischen und medialen Diskussion keine adäquate Berücksichtigung.

So zeige beispielsweise das seit Jahresbeginn 2009 gültige neue EEWärmeG in seiner jetzigen Form bei weitem nicht die Möglichkeiten, die die Kälte-Klima-Industrie bieten kann. Während eine Kombination wischen Öl-Brennwert und Solarkollektoren 15 Prozent CO2-Reduktion erreichen, liegen diese bei der Wärmepumpe bei bis zu 50 Prozent und mehr, so Rolles weiter. Hinzu komme das unerschöpfliche Energiepotenzial der Wärmepumpe durch die Nutzung von Erdwärme, Luft und Wasser – allesamt erneuerbare Energien, die das neue Gesetz zu nutzen fordert. Auch die Vielzahl von älteren Kälteanlagen, deren Existenz in der Lebensmittel- und technischen Industrie erforderlich ist, könnte durch Änderung der Konzeption oder den Austausch von Bauteilen ein erhebliches Potenzial an CO2-Emissionen einsparen.

Hersteller haben keine einheitliche Interessensvertretung

Thomas Ernst (Bitzer) skizzierte für die Herstellerseite die Gründe für einen neuen Zentralverband: Bisher haben die Hersteller keine einheitliche Interessensvertretung. Die Mitgliedschaften in ASERCOM, DKV, VDMA, EPEE etc. seien unterschiedlich fokussiert. Nur wenige Firmen sind innerhalb des BIV in der Fachgruppe Handel und Industrie (FHI) vertreten – ohne Stimmrecht, ebenso seien nur wenige Firmen im VDKF Mitglied – ebenfalls ohne Stimmrecht. Eine alleinige handwerksrechtliche Interessensvertretung sei zu schwach. Und die Wahrnehmung in der Öffentlichkeit und in der Politik sei der Bedeutung des Wirtschaftszweigs Kältetechnik nicht angemessen.

Von der Mitgliedschaft in einem ZVKKW verspricht sich Ernst eine Intensivierung der Öffentlichkeitsarbeit, die Möglichkeit Politik, Behörden und Ämter fachkompetent bei Gesetzesvorhaben und Verordnungen beraten zu können, bei Normungs- und DIN-Arbeiten mitgestalten zu können, eine intensiveren Zusammenarbeit mit Planeren und Betreibern, die Beteiligung an Forschungsprojekten und –aufträgen sowie die Kooperation mit Schulen und Hochschulen.

Praxis in die europäische Normung einbringen

Für den Bereich Wissenschaft und Bildung formulierte Manfred Seikel (BFS/ESaK) die künftigen Aufgaben und Ziele im ZVKKW: Forschung und Entwicklung initiieren, koordinieren und unterstreichen, Technologietransfer, Beratung für Unternehmen in Fragen der Aus-, Fort- und Weiterbildung, Beratung von Politik und Verbänden bei beruflichen Bildungsfragen, Mitarbeit und wissenschaftliche Begleitung bei Normungsvorhaben (DIN/EN). Hier müsse es beispielsweise das Ziel sein, die Praxis in die europäische Normung mit einzubringen. Gutachten und Zuarbeit für Ministerien, Behörden etc. bei Gesetzes- und Verordnungsvorhaben sowie Durchführungsbestimmungen und schließlich die Weitergabe technischer Informationen seitens des ZVKKW an Hersteller, Handwerk, Betreiber etc.

Wissen und Produktionskapazitäten werden nicht voll genutzt

In Deutschland werde nicht nur ein enormes Wissen, sondern auch die vorhandenen Produktionskapazitäten nicht voll genutzt, so Werner Rolles. Daher sei die Konzentration der Kräfte im Markt wichtig. Einzelne Branchenteile, Institutionen oder Handwerksverbände konnten in der schon Vergangenheit nicht als „pars pro toto“ sprechen und werden dies auch in der Zukunft nicht meistern können. Nur die Bündelung der technischen und wirtschaftlichen Kompetenz, die in kleineren und größeren Personenkreisen immer wieder diskutiert worden sei, verspreche künftig Erfolg und werde nun durch die Gründung des ZVKKW realisiert.

Durch die Vielschichtigkeit der verschiedenen Interessensgruppen seien zwar Differenzen vorprogrammiert. Thomas Milbrodt sieht dem allerdings gelassen entgegen: „Bei 80 bis 90 Prozent der anstehenden Themen sind wir jedoch bisher immer einer Meinung in den Branche gewesen. Warum sollte sich das ändern. Gemeinsam werden wir stärker sein!“

Präsenz in Brüssel, Kooperationen mit Österreich und Schweiz

Die beteiligten Kreise werden in Abstimmung mit den sechs Vorstandsbereichen qualifizierte Antworten und konkrete Vorschläge, wenn erforderlich auch durch selbst initiierte Forschungsaufträge, an die Politik in Deutschland und in der EU (Brüssel) weitergeben und deren Umsetzung vertreten. Dazu gehöre beispielsweise auch die kontinuierliche Ausbildung im Handwerk für die neuen Technologien zur Reduktion der CO2-Emission und des Einsatzes erneuerbarer Energien.

Die Präsenz des neuen Verbands in den Medien – und hier ist nicht nur die einschlägige Fachpresse, sondern auch die Publikums- und Wirtschaftspresse sowie Rundfunk und Fernsehen gemeint – soll der Aufklärung über die Leistungen der Kälte-Klima-Wärmepumpentechnologie dienen sowie privaten und industriellen Investoren Entscheidungshilfen bieten. Der ZVKKW wird auch in Brüssel vertreten sein. Geplant ist auch die Kooperation mit entsprechenden Verbänden in Österreich und der Schweiz.

Wie geht es jetzt weiter?

Die offizielle Verbandsgründung ist für den Spätherbst des laufenden Jahres geplant. Für den 1. Januar 2010 ist der Start der offiziellen Aktivitäten vorgesehen. Bis dahin gibt es noch viel zu tun: Zunächst einmal muss eine Satzung erarbeitet und genehmigt werden. Im Herbst will man dann den Verband den Ministerien und den Medien vorstellen. Inzwischen soll die Kommunikation innerhalb der Branche intensiviert und Mitglieder akquiriert werden. Die personelle Struktur des künftigen Verbands beschreibt Thomas Ernst als schlank: Nur ein Vorstand und die Vorstandschaft aus den sechs Bereichen sowie ein schlagkräftige Geschäftsstelle. (SI)