Reorganisation nach Unregelmäßigkeiten

Imtech setzt Konsolidierungskurs fort

25. April 2013

Der technische Dienstleister Royal Imtech N.V. vermeldet ein schwieriges erstes Quartal 2013, konnte jedoch seine Marktposition trotz widriger Rahmenbedingungen halten. Gleichzeitig verzeichnet Imtech kontinuierliche Fortschritte bei den Untersuchungen von Unregelmäßigkeiten in Polen und Deutschland.

Die Hamburger Zentrale von Imtech Deutschland ist Teil der umfassenden Reorganisation von Imtech.

Die Hamburger Zentrale von Imtech Deutschland ist Teil der umfassenden Reorganisation von Imtech.

Insgesamt befinden sich die Untersuchungen in der Endphase, erfordern aber aufgrund ihrer Komplexität und der gebotenen Sorgfalt noch etwas Zeit. Die Ergebnisse für das Geschäftsjahr 2012 werden voraussichtlich Anfang Juni veröffentlicht. Die Abschreibungen in Deutschland scheinen höher auszufallen als ursprünglich erwartet. Um seine Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern und sich den Marktbedingungen anzupassen, hat Imtech einen Restrukturierungsplan beschlossen. Die angekündigte Kapitalerhöhung soll im Sommer abgeschlossen sein.

Gerard van de Aast, CEO von Imtech: „Das letzte Quartal war turbulent und schwierig für Imtech. Imtechs operative Lage ist stabil, und die angekündigten Veränderungen im Management sind bereits weitgehend umgesetzt. Die laufenden Untersuchungen in Deutschland und Polen werden mit höchster Sorgfalt durchgeführt. Positiv zu vermerken ist die stabile Auftragslage. Gleichzeitig gestaltet sich die Situation in einigen unserer Märkte derzeit noch schwierig. Aus diesem Grund und zur Stärkung unserer Wettbewerbsfähigkeit haben wir eine Reorganisation beschlossen, welche zu unserem großen Bedauern auch mit einem unvermeidlichen Stellenabbau verbunden ist. Auf der Hauptversammlung am 28. Juni werden wir mit unseren Aktionären die Ergebnisse der Untersuchungen sowie die Gesamtjahreszahlen für 2012 besprechen.”

Aufgrund dieser Entwicklungen verzeichnete Imtech ein schwieriges und turbulentes erstes Quartal. Dabei hatte die Kommunikation mit Kunden, Zulieferern, Mitarbeitern und Kapitalgebern, die Imtech vom Zukunftspotenzial des Unternehmens überzeugen will, höchste Priorität. Wichtige Voraussetzungen hierfür waren ausreichende Liquidität und finanzielle Stabilität, die durch eine Brückenfinanzierung unter Federführung von ING und Rabobank sowie eine Übereinkunft mit den Hauptkreditgebern gewährleistet wurde. Die Liquiditätslage ist stabil; aktuell wird von der Brückenfinanzierung nur eingeschränkt Gebrauch gemacht. Die zuvor gemeldete Kapitalerhöhung von 500 Mio. Euro soll für den Schuldenabbau verwendet werden.

Der Auftragsbestand belief sich zum Ende des ersten Quartals 2013 auf 6,4 Mrd. Euro und war damit genauso hoch wie zum Jahresende 2012. Das Ergebnis war im ersten Quartal 2013 unter Druck. Um das Ergebnis für das Gesamtjahr 2013 und die Folgejahre zu stärken, hat Imtech zusätzliche Reorganisations- und Sparmaßnahmen beschlossen. Zum aktuellen Zeitpunkt wird keine Prognose für das Gesamtjahr 2013 abgegeben.

Imtech Deutschland & Osteuropa hatten ein schwieriges Quartal. Ein Kostensenkungsprogramm und Umstrukturierungen sollen zur weiteren Verbesserung der Ergebnisse beitragen. Der Auftragsbestand bleibt unverändert gut. Als weiterer Bestandteil der Reorganisation wurde in Deutschland ein Kostensenkungs- und Effizienzprogramm gestartet. Der geplante Personal- und Kostenabbau soll zur Steigerung der Effektivität und Rentabilität unserer Aktivitäten in Deutschland beitragen.

Abhängig von den jeweiligen Markt- und Unternehmensbedingungen sollen darüber hinaus in verschiedenen anderen Imtech-Einheiten diverse kleinere Effizienzprogramme implementiert werden. Die Gesamtkosten für die Reorganisation werden sich 2013 auf voraussichtlich 80 Mio. Euro belaufen. Vom Personalabbau werden 1.300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter betroffen sein, überwiegend in den Niederlanden und in Deutschland. Zur Umsetzung des Reorganisationsvorhabens werden kurzfristig Gespräche mit dem Betriebsrat und Gewerkschaften aufgenommen.

Der nach wie vor andauernde Prüfprozess umfasst ausführliche Analysen sämtlicher wichtiger Projekte, die sich entweder noch in der Implementierungsphase befinden oder bereits im Laufe der letzten Jahre abgeschlossen wurden. In Deutschland beschränken sich die Herausforderungen weitgehend auf die bereits am 27. Februar genannten Bereiche: auf die Bewertung von Altforderungen aus Lieferungen und Leistungen, den fehlerhaften Vortrag von Projektverlusten auf künftige Rechnung sowie auf die Wertberichtigung auf unfertige Leistungen. Insbesondere letztere Summe dürfte höher ausfallen als erwartet und zu einer Erhöhung der Abschreibungen in Deutschland auf insgesamt rund 220 Mio. Euro führen.

Die Abschreibung in Polen wird sich auf 150 Mio. Euro belaufen. Ein wichtiger Bestandteil dieser Abschreibung betrifft das AWW-Projekt, für das am 12. März 2013 ein außergerichtlicher Vergleich zur Beendigung der Zusammenarbeit geschlossen wurde. Außerdem wurde in Polen die Bewertung von Altforderungen auf Lieferungen und Leistungen nach unten korrigiert und diverse kleinere Posten zu unfertigen Leistungen wurden abgeschrieben.

Die Abschreibungen in Deutschland und Polen sind nicht zahlungswirksame Posten und haben keine direkten Auswirkungen auf die Liquiditätsposition. Nach Abschluss der Untersuchungen wird Imtech eine Entscheidung treffen, ob bei den zuständigen Justizbehörden in Polen und Deutschland im Zusammenhang mit Handlungen, die als betrügerisch oder irreführend gelten könnten, Rechtsmittel eingelegt werden sollen. Imtech wird weiterhin prüfen, ob und in welchem Umfang die entstandenen Schäden durch Versicherungsentschädigungen ausgeglichen werden können. Diese potenzielle Kompensation wurde in der erwarteten Abschreibung nicht berücksichtigt. Die Ergebnisse der Untersuchungen und die Gesamtjahreszahlen für 2012 sollen bei der Hauptversammlung am 28. Juni 2013 besprochen werden.

Da der Abschluss der Untersuchungen in Polen und Deutschland länger andauert als ursprünglich angekündigt, verzögern sich auch die finale Erstellung und die Prüfung des Jahresabschlusses 2012. Damit verschiebt sich das bisher genannte Veröffentlichungsdatum von Ende April auf Anfang Juni. Gemäß den rechtlichen Vorschriften für die Finanzberichterstattung werden außerdem die Vergleichszahlen für 2011 im Jahresabschluss 2012 angepasst, da einige der Abschreibungen auch Vorjahre betreffen. Das Unternehmen wird eine entsprechende Nachricht beim Handelsregister einreichen.

Imtech hält auch weiterhin an seinem dezentralen Managementmodell als Grundlage des Unternehmens fest. Gleichzeitig will das Unternehmen die Qualität und Effektivität seiner Kontrollmechanismen erheblich stärken. Der Genehmigungsprozess für größere Projekte wurde am 20. März 2013 verschärft. Der extern ernannte Prüfer, der die Prüfung leiten wird, hat Anfang April seine Tätigkeit aufgenommen. Für die Rechts- und Finanzangelegenheiten wurden mittlerweile funktionale Berichtslinien eingeführt. Zur Stärkung der Kontrollmechanismen wird zudem externes Know-how herangezogen. Darüber hinaus spielen in diesem Bereich Schulungen eine Rolle, die nicht nur auf Wissenstransfer abzielen, sondern auch auf die Entwicklung einer geeigneten Unternehmenskultur, in der Integrität, Loyalität und kritisches Denken miteinander im Gleichgewicht stehen. Die Anzahl der Vorstandsmitglieder soll um zwei erhöht werden, die Suche läuft. Ernst & Young hat die Leistung des aktuellen Managementmodells überprüft und bekräftigt, dass das Risikomanagement in seiner Entwicklung nicht mit der Größe und Komplexität der Organisation standhalten konnte. Der Prüfbericht kam außerdem zum Ergebnis, dass eine erfolgreiche Umsetzung der am 27. Februar angekündigten Maßnahmen zur Reduzierung des Risikoprofils, zur Stärkung der finanziellen Solidität sowie zur Verbesserung der Kontrollmechanismen von Imtech beitragen wird.

www.imtech.de