Referent

Dr.-Ing. Rainer M. Jakobs, IZW, moderierte die Online-Veranstaltung (Bild: Redaktion)

Den Auftakt der eintägigen Vortragsveranstaltung, durch die einmal mehr der Wärmepumpen-Experte Dr.-Ing. Rainer M. Jakobs vom IZW führte, machten Vertreter von Verbänden aus den DACH-Ländern, die jeweils einen spezifischen Blick auf die aktuelle Situation der Branche warfen. Dabei fanden sich alle, ob die deutschen Verbände VDKF oder BWP, der Schweizer SVK oder der österreichische ÖGKT in einer grundsätzlichen Quintessenz wieder: Es fehlt allerorten an Fachkräften, vor allem an qualifiziertem Nachwuchs. Vor diesem Hintergrund stellt sich allen die sehr drängende Frage, ob die durch den Ukraine-Krieg noch einmal zusätzliche Dynamik in der Energie- und Wärmewende in der gewünschten Geschwindigkeit überhaupt ansatzweise umsetzbar sein wird.
Volker Weinmann, Daikin Airconditioning Germany, gab den Teilnehmern einen Überblick über die aktuellen Entwicklungen vor allem an der Kältemittel-Front. Für die Zukunft stellte er weitere Verschärfungen der F-Gas-Verordnung in Aussicht, plädierte dabei aber für einen verstärkten Fokus auf die Effizienz der Anlagen und Geräte. Die Fixierung auf immer klimaschonendere natürliche Kältemittel drohe hier die Kraft und Aufmerksamkeit der Branche in einem Übermaß zu absorbieren und den Fokus auf zusätzliche Effizienzgewinne mit den damit verbundenen Energieeinsparungen zu vernachlässigen.

Green Deal mit neuen Reglementierungen, aber auch neuen Chancen

Einen intensiven Blick auf die europäische Perspektive des „Green Deal“ warf im Anschluss Andrea Voigt, die inzwischen für Danfoss Climate Solutions tätig ist, aber weiter schwerpunktmäßig vor Ort in Brüssel arbeitet. Die Expertin unterstrich die besondere Bedeutung der Kälte-, Klima- und Wärmepumpentechnik, um die ehrgeizigen Klimaziele in den kommenden Dekaden zu erreichen. Dabei ist die anstehende Aufgabe, den globalen Temperaturanstieg auf unter 2 Grad zu beschränken, noch dringlicher geworden, wie auch jüngst der ipcc-Bericht (Intergovernmental Panel on Climate Change) eindringlich bestätigte. „Unsere Branche kann einen wichtigen Beitrag dazu leisten, das Klimaziel einhalten zu können“, so Voigt. Dabei seien auch indirekte Effekte zu berücksichtigen, denn eine gute Kühlkette sorge auch für weniger Lebensmittelverluste und reduziere den Produktionsdruck in der Landwirtschaft und beispielsweise deren Methan-Emissionen. Insgesamt komme jetzt auf die Beteiligten mit den im Zusammenhang mit dem Green Deal stehenden Maßnahmen, Initiativen und Gesetzentwürfen ein „Tsunami“ zu. Dabei seien die „F-Gase eigentlich nur Pipifax“. Entscheidend sei, dass mit dem Green Deal die Klimaneutralität Europas bis 2050 gesetzlich verankert ist. Aktuell werden die Maßnahmen für das Zwischenziel („Fit-For-55“) bis 2030 diskutiert. Dabei werden u.a. die Gebäudeeffizienzregeln überarbeitet. Top-Priorität habe hier der Gebäudebestand. Im Fokus stehen in diesem Kontext auch digitale Lösungen und Gebäudeautomation. Zu erwarten sei „in zwei bis drei Jahren ein umfassendes Regelwerk, das uns alle betreffen wird“, so Voigt. Trotz der anstehenden Verschärfungen der F-Gase-Regularien eröffne der Green Deal für die Kälte-, Klima- und insbesondere die Wärmepumpentechnik aber eindeutig neue Chancen.

Daten relativieren die Bedeutung der Kältemittel

Moderator Rainer M. Jakobs übernahm im Anschluss die Referentenrolle und erläuterte „Daten der klimawirksamen Stoffe in Deutschland“. Danach wurde hierzulande im Zeitraum 2013-2020 eine deutliche Halbierung der CO2-äquivalenten Stoffe erreicht. Jakobs betonte, dass die Instandhaltung bestehender Anlagen genau die Art und den Umfang der erzeugten Emissionen aufzeigen. Allerdings wies er zugleich auf die real relativ geringe Bedeutung der kälte- und klimatechnischen Anteile an den deutschen Emissionen hin, die über rund 0,5 % nicht hinauskomme, soweit es sich um Kältemittel handelt. Ganz anders sieht es mit einem Anteil von rund 20 % aus, wenn das Potenzial zur Nutzung von Abwärme voll genützt und jede Kälteanlage sowohl auf der kalten als auch auf der warmen Seite eingesetzt würde.

Einsatz von Wärmepumpen in Trocknungsprozessen

Mit dem Themenschwerpunkt Einsatz von Wärmepumpen in Trocknungsprozessen griffen die Veranstalter einen Aspekt auf, der bisher eher unterbelichtet geblieben war und bereits in der Vorveranstaltung eine Nebenrolle gespielt hat. Dabei zeigte sich deutlich, dass die Anwendung von Wärmepumpen in dieser Form zählbare Vorteile nicht nur energetischer Art hat, sondern nicht selten auch qualitativ positiv auf die zu trocknenden Produkte wirkt.
Den Anfang dieses Themenblocks machte Michael Lauermann vom Austrian Institute for Technology (AIT), der die potenziellen Energieeinsparungen durch die Integration von Wärmepumpen in Trocknungsprozesse auf bis zu 80 % bezifferte. Daher sei die Wärmepumpen-Technologie neben Heizung, Kühlung und Warmwasserbereitung auch für die Trocknung relevant. Allerdings sind abweichende Betriebsbedingungen eine Herausforderung für Wärmepumpen in industriellen Trocknern.
Am Beispiel der Ziegeltrocknung erläuterte er die Vorteile, wie eine Zirkulationstrocknung bei einem Wärmepumpenkreislauf funktioniert. Ein weiterer Aspekt war die Drucklufttrocknung, die Andreas Hansen, Thyssen-Krupp marine systems, näher beleuchtete. Dabei ging es neben physikalischen Grundlagen sowohl um Schäden durch Wasser in der Druckluft, als auch um die Entstehung von Kondensat bei der Drucklufterzeugung.
Matthias Reich vom Haushaltsgerätehersteller Miele widmete sich dann abschließend dem Einsatz von Wärmepumpen in der gewerblichen Wäschereitrocknung. Dabei sind neben den Vorteilen des Einsatzes von Wärmepumpen im gewerblichen Bereich auch einige Probleme zu beachten. So ist immer eine Luftkühlung erforderlich, da sonst die Temperaturen im System zu hohe Werte erreichen. Gefragt sei hier eine robuste, pragmatische Lösung.

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