Energieeffizienz-Index bricht ein

Unternehmen setzen deutlich weniger Energieeffizienz-Maßnahmen um

29. Januar 2018

Der Energieeffizienz-Index EEI ist zum Jahreswechsel 2017/18 auf den tiefsten Stand seit Beginn seiner Erhebung gesunken. Der wichtigste Grund: Unternehmen investieren weniger in Energieeffizienz und steigern die Energieproduktivität kaum noch.

Dabei ist für sie die Bedeutung der Energieeffizienz nicht gesunken. Das Institut für Energieeffizienz in der Produktion EEP der Universität Stuttgart erhebt seit 2013 halbjährlich aktuelle und geplante Aktivitäten der deutschen Industrie zur Energieeffizienz. Der EEI wird unter anderem in Zusammenarbeit mit der Deutschen Energie-Agentur (dena), dem Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), dem Fraunhofer IPA und dem TÜV Rheinland erstellt.
Die Einschätzung der Bedeutung von Energieeffizienz in den knapp 500 befragten Unternehmen bleibt stabil. Auf den halben Wert im Vergleich zur letzten Erhebung sank der Investitionsindex, also der Anteil von Energieeffizienz-Maßnahmen an den gesamten Investitionen, die Unternehmen im kommenden Jahr tätigen wollen. Am extremsten zeigt die Kurve nach unten, welche die erwartete Steigerung der Energieproduktivität beschreibt: Innerhalb eines halben Jahres sank dieser Wert von 1,74 auf 0,2 ab.
„Obwohl Unternehmen die Bedeutung der Energieeffizienz konstant hoch einschätzen, setzen sie deutlich weniger Energieeffizienz-Maßnahmen um. Der Grund könnte sein, dass einfache Maßnahmen häufig bereits umgesetzt sind und für die schnelle Umsetzung komplexerer Maßnahmen die Ressourcen fehlen. Die aktuelle Hochkonjunktur sowie die politische Unsicherheit im Wahljahr haben diese Effekte noch verstärkt“, so Prof. Alexander Sauer, der Leiter des Instituts für Energieeffizienz in der Produktion EEP in Stuttgart.
Über 1.000 Unternehmen aus 27 Branchen beantworteten auch die halbjährlich wechselnden Sonderfragen des EEI. Knapp die Hälfte, also 500, wünschen sich von der Regierung mehr Anstrengungen in Sachen Energieeffizienz.
Knapp ein Drittel der befragten Unternehmen – je größer die Unternehmen, desto höher der Anteil – erfasst seine Energieverbräuche systematisch, bei den Großunternehmen ist es fast die Hälfte. 45 % der Unternehmen, die Energiedaten speichern, tun dies zur Identifizierung von Energieeffizienz-Potenzialen und entsprechenden Maßnahmen. Die bei der Beleuchtung ergriffenen Maßnahmen haben dabei mit 30 % am häufigsten zu den größten relativen Einsparungen geführt. Das Kälte-/Kühlwassersystem sowie die Lüftungstechnik spielen hier mit jeweils 4 % nur eine untergeordnete Rolle.
Drei Viertel aller befragten Unternehmen verfolgen einen systematischen Ansatz zur Energieeffizienz-Verbesserung, ein Drittel dieser Gruppe nutzt dabei ein Energiemanagementsystem nach ISO 50001. Nur rund 40 % der kleineren Unternehmen verfolgen einen systematischen Ansatz. Bereits 9 % der befragten Unternehmen geben inzwischen an einem Energieeffizienz-Netzwerk anzugehören.
Immer mehr Unternehmen könnten selbst identifizierte Energieeffizienz-Maßnahmen umsetzen, es fehlen aber die Impulse dies auch zu tun.
„Es ist daher weiterhin dringend notwendig, dass die Politik verbleibende Hemmnisse – wie etwa Informationsdefizite oder hohe Bürokratie – abbaut, Unsicherheiten reduziert und die Wirtschaftlichkeit von Energieeffizienz-Maßnahmen wieder erhöht. Gerade kleinere Unternehmen wünschen sich mehr Engagement von der Politik“, so Prof. Sauer.
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